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Regel 8.4 - Ball aus / Ball berührt

Handzeichen 24Vorbemerkung zur Regel 8 - Spielsituationen

(bkw, 27.07.2016) Stand: Regeltext, 45. Aufl. 2013, RI 01-15. Die Regel 8.4 steht unter der Regel 8, die mit Spielsituationen überschrieben ist. Als Spielsituationen werden in Regel 8.1 - Ball "im Spiel", in Regel 8.2 - Ball "aus dem Spiel", in Regel 8.3 - Ball "in" und in Regel 8.4 - Ball "aus" gefasst. Die Regeln 8.1 - Ball "im Spiel" und Regel 8.2 - Ball "aus dem Spiel" beschreiben Situationen, in denen der Ball "spielbar" ist, wobei die Definition des Spielzugs aus Regel 6.1.3 (...der Folge von Spielaktionen vom Moment des Aufschlags bis der Ball aus dem Spiel ist) unmittelbar an die Regeln 8.1 und 8.2 anknüpft.

Dem entgegen betreffen die Regeln 8.3 - Ball "in" und 8.4 - Ball "aus" nicht die Spielbarkeit des Balles, sondern definieren, wann ein Ball als "in" (Regel 8.3) oder "aus" (Regel 8.4) zu werten ist.

Regel 8.4 - Ball "aus"

Handzeichen 15Der Ball ist "aus", wenn er:

  • (Regel 8.4.1) vollständig außerhalb der Begrenzungslinien den Boden berührt.
  • (Regel 8.4.2) einen Gegenstand außerhalb des Feldes, die Decke oder eine außerhalb des Spiels befindliche Person berührt,
  • (Regel 8.4.3) die Antennen, Spannseile, Pfosten oder das Netz außerhalb der Seitenbänder berührt,
  • (Regel 8.4.4) die senkrechte Ebene des Netzes entweder teilweise oder vollständig außerhalb des Überquerungssektors überquert, ausgenommen im Fall der Regel 10.1.2,
  • (Regel 8.4.5) den unteren Sektor (die senkrechte Ebene unterhalb des Netzes) vollständig durchquert.

Als Prüfer werden wir immer wieder gefragt, wann zeigt man denn "AUS" (Handzeichen 15) bzw. wann zeigt man "Touché"? Wobei es eigentlich gar nicht "Touché", sondern "Ball berührt" (Handzeichen 24) heißt! Wie Ihr seht gibt die Regel 8.4 hierüber keine Auskunft. Aber auch sonst schweigen die Regel weitgehend zur Thematik Ball "aus" oder Ball "Touché" und geben allgemein in Regel 8.3 eine Definition, wann ein Ball "in" ist und in Regel 8.4 Vorgaben, wann ein Ball "aus" ist. Dies ist für den Prüfling, als auch für den Schiedsrichter an der Front natürlich unglücklich, wenn nicht sogar ärgerlich. Auch in den Erläuterungen zu den Internationalen Spielregeln, im Anhang des deutschen Regelbuches, ist nichts zu dieser Thematik zu finden. Beschäftigen wir uns zunächst mit den Fällen, in denen die Regeln den Ball ausdrücklich als "aus" werten...

Regel 8.4.1 (...vollständig außerhalb der Begrenzungslinien den Boden berührt)Ball aus oder in

Im Sinne der Regel 8.4.1 muss der Ball vollständig außerhalb der Begrenzungslinien den Boden berühren. Es kommt somit auf die Auflagefläche des Balls an, nicht auf den Ballschatten bzw. die Projektion des Balles auf den Boden.

In der nebenstehenden Grafik berührt der linke vordere Ball komplett das Spielfeld, er ist "in" (Regel 8.3). Der rechte vordere Ball berührt noch die Linie, die gemäß Regel 1.3.2 (Begrenzungslinien) zum Spielfeld gehören, so dass auch dieser Ball noch "in" (Regel 8.3) ist. Nur der hintere Ball ist "aus" im Sinne der Regel 8.4.1, da er vollständig außerhalb der Begrenzungslinien den Boden berührt.

Regeln 8.4.2, 8.4.3 (einen Gegenstand außerhalb des Feldes, die Decke oder eine außerhalb des Spiels befindliche Person berührt / die Antennen, Spannseile, Pfosten oder das Netz außerhalb der Seitenbänder berührt)

Der Ball darf grundsätzlich keinen Gegenstand und, bis auf die auf dem Spielfeld befindlichen Spieler, auch keine Personen berühren. Eine Ausnahme bei den Gegenständen bildet das Netz, bei dem die Berührung allerdings nur zwischen den Antennen statt finden darf - also ab dem einen Seitenband, bis zum anderen Seitenband.

Diese Regel bildet dabei das Pendant zur Regel 11.3, bei der die Spieler eben gerade nicht das Netz zwischen den Antennen berühren dürfen, aber grundsätzlich keiner Einschränkung bei Berührungen darüber hinaus unterliegen.

Regeln 8.4.4, 8.4.5 ( die senkrechte Ebene des Netzes entweder teilweise oder vollständig außerhalb des Überquerungssektors überquert, ausgenommen im Fall der Regel 10.1.2 / den unteren Sektor (die senkrechte Ebene unterhalb des Netzes) vollständig durchquert)

Die Regeln 8.4.4 und 8.4.5 betreffen jeweils die senkrechte Ebene des Netzes. Prinzipiell können beide Regeln darauf beschränkt werden, dass der Ball die senkrechte Netzebene des Netzes vollständig innerhalb des Überquerungssektors durchqueren muss.

Die Definition des Überquerungssektors ist der Regel 10.1.1 zu entnehmen und auf der nebenstehenden Grafik weiß eingezeichnet. Überquert der Ball das Netz nicht vollständig innerhalb des Überquerungssektors, dann ist der Ball "aus". Eine Ausnahme bildet die Regel 10.1.2, nach der der Ball jedoch im Rahmen der zulässigen Berührungen einer Mannschaft zurück gespielt werden darf.

Durchquert der Ball den unteren Sektor, so gilt grundsätzlich das gleiche weiter, mit der Einschränkung, dass der Ball hier nicht im Rahmen der Regel 10.1.2 zurück gespielt werden darf.

Abgrenzung "aus" und "Ball berührt"

Handzeichen 15Wenn der Ball in den oben gezeigten Fällen als "aus" zu bewerten ist, und demnach mit dem Handzeichen 15 angezeigt wird, dann müsste der Fehler "Ball berührt" zwangsweise andere Fälle betreffen, als die oben aufgezeigten Situationen, dem ist allerdings nicht ganz so...

Handzeichen 24Wir müssen also überlegen, was das Handzeichen 24 "Ball berührt" verdeutlichen soll?! Das Handzeichen 24 wird immer dann genutzt, wenn der Ball zwar ins "AUS" gespielt wurde, jedoch ein Spieler der Mannschaft auf der Seite, auf der der Ball "AUS" gegangen ist, diesen zuvor noch berührt hat. Da dann kein Fehler der gegnerischen Mannschaft vorliegt, obgleich der Ball nicht innerhalb des Feldes aufgekommen ist. Klingt kompliziert, aber: "Der Ball war zwar aus, aber die Mannschaft hat den Ball zuvor noch berührt! Daher hat nicht z.B die eigentlich angreifende Mannschaft den Fehler begangen, sondern die Mannschaft, die den Ball zuletzt berührt hat." Eigentlich doch klar!? Das Handzeichen 24 dient damit der Klarstellung, wer den Fehler begangen hat, wenn der Ball eigentlich "AUS" gespielt wurde.

Stellt Euch vor, wenn Ihr ein direkt auf der gegnerischen Feldseite ins "AUS" gespielten Ball als "Ball berührt" (Handzeichen 24) anzeigen würdet, dann suggeriert Ihr, dass der Gegner noch am Ball war. Oder anders: Wenn ein berührter Ball als "Ball aus" (Handzeichen 15) angezeigt werden würde, dann suggeriert Ihr, dass bevor der Ball "aus" ging, keine Berührung mehr statt fand. Dies soll verhindert werden.

Auslegung des DVV

Handzeichen 22Die Auslegungen und Erläuterungen des Deutschen Volleyball-Verbands auf dessen Homepage*1 sind meines Erachtens nur wenig hilfreich. So habe der Schiedsrichter nur in den Fällen der Regel 8.4.1 (Ball außerhalb der Begrenzungslinien) eine Wahlmöglichkeit, ob "Ball aus" oder "Ball berührt" anzuzeigen sei. In den Fällen der Regel 8.4.2 bis Regel 8.4.4 (Ball berührt Gegenstand, Antennen etc. oder überquert nicht innerhalb des Überquerungssektors das Netz), sei immer das Handzeichen 15 (Ball aus) anzuzeigen und in den Fällen der Regel 8.4.5 (Ball durchquert den unteren Sektor) sei immer das Handzeichen 22 anzuzeigen.

Zugleich wird erläutert, dass in dem Fall, in dem der Annahmespieler den Aufschlag auf seiner Seite an die Wand gebaggert habe, nicht das Handzeichen 15, sondern 24 anzuzeigen sei. Unabhängig davon, dass dies zu viele Grundsätze und Ausnahmen sind (s.u.), ist dies auch nicht konsequent. Die Wand befindet sich unstreitig außerhalb der Spielfläche, so dass hier dann im Rahmen der Regel 8.4.2 "Ball aus" - Handzeichen 15 - anzuzeigen wäre. Zudem ist auch unstreitig der Fehler von dem Annahmespieler begangen worden, wenn dieser den angenommenen Ball an die Wand baggert. Vielleicht könnte bei leichten Berührungen als Klarstellung im obigen Sinne hier "Ball berührt" angezeigt werden, ansonsten sollte doch "Ball aus" klar genug sein.

Sinnvolle Regelauslegung?

Der DVV leitet seine Regelauslegung zu "Wann hat der Schiedsrichter "Touché" und wann "AUS anzuzeigen?"*1 wie folgt ein: "Nicht eindeutig zuzuordnende Schiedsrichter-Handzeichen führen zur Verwirrung der Spieler und Zuschauer. Selbst bei „alteingesessenen“ und/oder „erfahrenen“ Schiedsrichtern gibt es unterschiedliches Anzeigeverhalten in bestimmten Situationen."

Dies ist sicherlich richtig und auch ungünstig. Allerdings scheint es doch sinnvoll die Regeln nicht in eine starre Auslegung zu pressen und mit allerlei Grundsätzen und Ausnahmen zu versehen, um unbedingt irgendein Schema zu konstruieren. Besser ist es, sich im obigen Sinne der Unterschiede und der damit verbundenen Suggestionen klar zu machen. (s.o. unter Abgrenzung "aus" und Ball "berührt").

Wenn es darauf ankommt, dass ein Spieler der gegnerischen Mannschaft an dem Ball war, dann wird "Ball berührt" (Handzeichen 24) angezeigt, ansonsten immer "Ball aus" (Handzeichen 15). So einfach könnte es sein, birgt allerdings das vom DVV erkannt Risiko, dass nicht immer die gleichen Handzeichen angezeigt werden!

Da es aber wie bereits geschildert unterschiedliche Meinungen, insbesondere bezüglich einer nachfolgenden Berührung des Balls mit der Decke und den Wänden gibt, müssen auch andere Ansichten vertretbar sein, denn über alles was nicht im Regelbuch steht (und dies ist hier der Fall), entscheidet der 1. Schiedsrichter (Regel 23.2.3). Aber Ihr solltet eine einheitliche Linie anwenden und dies auch erkennen lassen. Gleiche Fehler sind gleich zu bewerten!

Gibt es eine einfache Grundregel?

Wie schon oben beschrieben, NEIN!

Viel wichtiger als irgendwelche auswendig gelernten Regeln ist, dass Ihr wisst was Ihr auf dem "Bock" macht. Also überlegt Euch im obigen Sinne, was das Anzeigen von "Ball aus" bzw. "Ball berührt" in den jeweiligen Situationen bedeutet!

Für die (theoretische) Prüfung

Auch wenn ich hier kritisch über die Auslegung der Regeln durch den DVV schreibe, so gelten dennoch - insbesondere für die theoretische Prüfung - grundsätzlich die Auslegungen des DVV (Regelecke des Deutschen Volleyball Verbandes), demnach ist wie folgt zu verfahren:

SR-Handzeichen 15 „AUS“ ist anzuzeigen, wenn:
  • der Ball in der gegnerischen Freizone zu Boden fällt
  • der Ball an die Decke gespielt wird
  • der Ball das Spannseil des Netzes berührt
  • der Ball die Antenne berührt
  • mit der zweiten Ballberührung der Ball aus der gegnerischen Freizone durch den Überquerungssektor zurückgespielt wird
Handzeichen 15
SR-Handzeichen 15 „AUS“ ist NICHT anzuzeigen, wenn:
  • der Ball die senkrechte Ebene unterhalb des Netzes vollständig durchquert (Anm. Hier wird mit dem Zeigefinger auf die Mittellinie gezeigt - Handzeichen 22)
  • nach der ersten Ballberührung der Ball auf der eigenen Seite in der Freizone auf den Boden fällt
Handzeichen 22
SR-Handzeichen 24 „BALL BERÜHRT“ ist anzuzeigen, wenn:
  • der Annahmespieler den Aufschlag auf seiner Seite an die Wand baggert (merken!)
  • nach der ersten Ballberührung der Ball in der eigenen Freizone auf den Boden fällt
  • der Angriffsschlag vom Block berührt wird und in die Freizone des Blockspielers fällt
Handzeichen 24
SR-Handzeichen 24 „BALL BERÜHRT“ ist NICHT anzuzeigen wenn:
  • der Ball die Antenne berührt
  • ein Spieler den Ball an die Decke spielt
  • nach einem Block der Ball auf die Seitenlinie der angreifenden Mannschaft fällt
  • der Angriffsschlag vom Block berührt wird und in die Freizone des Angreifers fällt
 

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