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Regel 15.11 - Unberechtigte Anträge

Vorbemerkung zur Regel 15.11

Handzeichen 25(bkw, 09.11.2015) Stand: Regeltext, 45. Aufl. 2013, RI 01-15. Spätestens, wenn der Trainer kurz vor der Bewilligung des Aufschlags durch den 1. Schiedsrichter noch eine Auszeit beantragen möchte, kommen allerhand interessante Thesen zur Behandlung dieses Antrags ins Spiel.

Ein Antrag sei unmittelbar nachdem der Ball aus dem Spiel ist zu stellen, oder der Antrag sei nur zu Stellen, bis der 1. Schiedsrichter das Handzeichen ausführen will, oder die Schiedsrichter entscheiden einfach willkürlich über die Genehmigung des Antrags.

Aber gibt es nicht eine eindeutige Regel, aus der hervorgeht, bis wann so ein Antrag auf reguläre Spielunterbrechung gestellt werden darf und wie damit umzugehen ist? Ja, die Regel 15.11 ...


Regel 15.11.1 beschreibt Fälle, in denen die Beantragung von regulären Spielunterbrechungen unberechtigt ist. Folge einer unberechtigten Antragsstellung ist regelmäßig, im Sinne der Regel 15.11.3, die Verzögerung des Spiels und somit entweder die Verwarnung oder Bestrafung der Mannschaft wegen Verzögerung.


Interessant ist die Frage, ob bzgl. der Anträge durch den Spielkapitän aus Regel 5.1.2.2 (Wechsel der Spielerkleidung, Aufstellung der Mannschaft, Überprüfung von Boden und Netz etc.) auch die zum unberechtigten Antrag angeführten Kriterien anzuwenden sind...

Regel 15.11.1 (Unberechtigte Anträge)

Jeder Antrag auf reguläre Spielunterbrechung ist unberechtigt:

  • während eines Spielzuges, im Augenblick des Pfiffs zum Aufschlag oder nach diesem (15.11.1.1),
  • durch ein nicht berechtigtes Mannschaftsmitglied (15.11.1.2),
  • für einen Wechsel, bevor das Spiel nach einem vorhergehenden Wechsel derselben Mannschaft fortgesetzt wurde (15.11.1.3),
  • wenn die erlaubte Anzahl der jeweiligen Unterbrechungen überschritten wird (15.11.1.4).

Regel 15.11.1.1 - während eines Spielzuges, im Augenblick des Pfiffs zum Aufschlag oder nach diesem

Handzeichen 1Ein Antrag auf reguläre Spielunterbrechung ist unberechtigt, wenn diese während eines Spielzugs, im Augenblick des Pfiffs zum Aufschlag oder nach diesem erfolgt. Ein Antrag ist unberechtigt, wenn der 1. Schiedsrichter den Aufschlag und damit den Beginn des Spielzugs mit Pfiff (und Handzeichen 1) genehmigt hat. Dabei korrespondiert diese Regel mit Regel 15; 15.4.1, Abs. 1 und Regel 15.10.3a iVm. Regel 15.

Klar ist in so fern, dass während des Spielzugs und nach dem Pfiff zur Genehmigung des Aufschlags keine Anträge mehr gestellt werden dürfen.

Gar nicht so klar ist es hingegen mit der Variante "im Augenblick des Pfiffs zum Aufschlag", wenn also ein Trainer z.B. eine Auszeit beantragt, während der 1. Schiedsrichter im Begriff ist, die Hand im Sinne des Handzeichens Nr. 1 zur Bewilligung des Aufschlags auszustrecken...

Eine weit verbreitete Auffassung ist, dass es hier nicht mehr erlaubt sei einen Antrag zu stellen, mit der Folge der Regel 15.11.3 (Spielverzögerung).

Diese Auffassung ist jedoch abzulehnen! Es steht der eindeutige Regeltext entgegen. Ausdrücklich wird auf den Augenblick des Pfiffs abgestellt. Nicht auf die Ausführung des Handzeichens und schon gar nicht auf das Ausstrecken der Hand! Ein Antrag kann somit nicht schon dann unberechtigt sein, wenn der 1. Schiedsrichter den Spielzug (noch) nicht „angepfiffen“ hat.

Dabei wird auch ausdrücklich nicht von der Bewilligung an sich gesprochen, in der möglicherweise der gesamte Genehmigungsprozess inkl. der Ausführung des Handzeichens etc. mit inbegriffen ist. Die FIVB hat sich ausdrücklich dazu entschlossen den Pfiff als Kriterium für das berechtigte Stellen der Anträge zu wählen. Im englischen Regeltext heißt es hierzu auch: "during a rally or at the moment of or after the whistle to serve", so dass hier keine Ungenauigkeiten aufgrund einer fehlerhaften Übersetzung eine andere Ansicht rechtfertigen.

Bis zum Pfiff des 1. Schiedsrichters zur Bewilligung des Aufschlags ist eine Unterbrechung zu genehmigen. Erst wenn der Pfiff ertönt, kann der Antrag nicht mehr gestellt werden.

Regel 15.11.1.2 - durch ein nicht berechtigtes Mannschaftsmitglied

Ein normaler Spieler kann grundsätzlich keine Anträge auf Unterbrechungen (Auszeiten und Wechsel) stellen. (Ja, es ist richtig, dass der eigentliche Antrag auf Wechsel erst durch das Betreten der Wechselzone durch den spielbereiten Wechselspieler erfolgt. Dies ist aber eine technische Frage und hat nichts mit der Berechtigung zu tun).

Der Spielkapitän kann bei Abwesenheit des Trainers Auszeiten und Wechsel beantragen (Regel 5.1.2.3). Wenn der Trainer entweder nicht bei der Mannschaftsbank ist oder er als Spielertrainer auf dem Feld steht, dann kann der Spielkapitän Anträge auf Unterbrechungen stellen - und nur der Spielkapitän.

Ist der Trainer anwesend, dann kann nur der Trainer Auszeiten und Wechsel beantragen (Regel 5.2.3.3). Ist der Trainer als Spielertrainer auf dem Feld, ohne zugleich Spielkapitän zu sein, kann er keine Anträge stellen!

Regel 15.11.1.3 - für einen Wechsel, bevor das Spiel nach einem vorhergehenden Wechsel derselben Mannschaft fortgesetzt wurde

Eine Mannschaft darf "während der selben Unterbrechung Anträge auf eine oder zwei Auszeiten und einen Wechsel nacheinander stellen (Regel 15.2.1)". Dabei dürfen "während derselben Unterbrechung jedoch keine aufeinander folgenden Anträge auf Wechsel" gestellt werden, wobei mit einem Antrag "zwei oder mehr Spieler gleichzeitig gewechselt werden" können (Regel 15.2.2). "Zwischen zwei Anträgen auf Wechsel durch dieselbe Mannschaft muss ein abgeschlossener Spielzug liegen" (Regel 15.2.3).

Damit steht fest, dass pro Unterbrechung nur ein (1) Antrag auf Wechsel durch jede Mannschaft gestellt werden darf.

Regel 15.11.1.4 - wenn die erlaubte Anzahl der jeweiligen Unterbrechungen überschritten wird

Jede Mannschaft darf in einem Satz höchstens zwei (2) Auszeiten und sechs (6) Wechsel beantragen (Regel 15.1).

Regel 15.11.2 (Erster Unberechtigter Antrag)

Der erste unberechtigte Antrag wird ohne weitere Folgen zurückgewiesen, wenn er zu keiner Spielverzögerung führt. Er ist jedoch im Spielberichtsbogen ohne weitere Konsequenzen zu vermerken.

Wann wird der erste unberechtigte Antrag zurückgewiesen?

Wird im Sinne der Regel 15.11.1.1 - 15.11.1.4 ein unberechtigter Antrag gestellt, so hat nun der 2. Schiedsrichter als "Empfänger" des Antrags besondere Obliegenheiten. An ihm ist es nun zu erkennen, ob der Antrag genehmigt werden kann oder eben nicht.

Wenn keine Situationen im Sinne der 15.11.1.1 - 15.11.1.4 kann der Antrag grundsätzlich genehmigt werden.

Liegen Situationen im Sinne der Regel 15.11.1.1 - 15.11.1.4 vor, so muss der 2. Schiedsrichter wissen, ob dies der erste unberechtigte Antrag der Mannschaft (im Spiel) ist. Ist dies der Fall, weist der 2. Schiedsrichter den Antrag zurück. Keine weiteren Folgen.

Wichtig ist, dass es durch die Antragstellung nicht zu Verzögerung kommen darf. Dies ist aber immer dann anzunehmen, wenn der 2. Schiedsrichter den Spielzug mit einem Pfiff unterbricht (weil er nicht aufgepasst hat oder die Regel 15.11.2 nicht kennt). Kommt es also zu einer Verzögerung, dann liegt eine zu ahnende Spielverzögerung, in Sinne der Regel 16 vor.

Wie wird der erste unberechtigte Antrag zurück gewiesen?

Entweder Ihr weist den Antrag verbal mit einem "zu spät" oder "nein" zurück, Ihr schüttelt den Kopf und weist auf den 1. Schiedsrichter oder (so wie ich es mache) Ihr nutzt das inoffiziellen Handzeichen "Sprich mit der Hand", indem Ihr die Handfläche zum jeweiligen Antragsteller hebt.

Wo wird der erste unberechtigte Antrag im Spielberichtbogen vermerkt?

Mit der Spielzeit 2013/2014 ist der Regel 15.11.2 ein zweiter Satz angefügt worden: "Er ist jedoch im Spielberichtsbogen ohne weitere Konsequenzen zu vermerken." Zeitgleich wurde der Spielberichtsbogen aktualisiert, der seit dem ein kleines - speziell für diesen Fall vorgesehenes - Feld im oberen Teil des Sanktionen-Feldes aufweist. Hier kann bei "Unberechtiger Antrag" ein Kreuz für die jeweilige Mannschaft gesetzt werden.

Falls Ihr noch einen alten Spielberichtsbogen nutzt oder nutzen müsst, dem dieses Feld fehlt, so tragt Ihr den ersten unberechtigten Antrag einfach bei Bemerkungen ein.

Regel 15.11.3 (Weitere unberechtigte Anträge)

Jeder weitere unberechtigte Antrag durch dieselbe Mannschaft bedeutet eine Spielverzögerung.

 Hat die Mannschaft schon einmal einen unberechtigten Antrag gestellt, dann wird im Sinne der Regel 16 die Verzögerung geahndet - "Verwarnung wegen Verzögerung, Regel 16.2.2" oder "Bestrafung wegen Verzögerung, Regel 16.2.3".

Fälle zur Regel 15.11

Handzeichen 1Grundfall: 1. Schiedsrichter bewilligt mit Handzeichen 1 und Pfiff den Aufschlag für Team A. Der Trainer von Team B beantragt einen Spielerwechsel mit Handzeichen 5. Wie ist zu entscheiden?

Antwort - Grundfall: Es ist nichts zu tun. Denn der eigentliche Antrag auf Wechsel ist das Betreten der Wechselzone durch den spielbereiten Wechselspieler (Regel 15.10.3a). Der Spielzug bleibt "angepfiffen".


Variante 1: Dto., aber der spielbereite Wechselspieler betritt die Wechselzone. Wie ist zu entscheiden?

Antwort - Variante 1: Der Antrag ist unberechtigt, weil der Spielzug "angepfiffen" wurde, Regel 15.11.1.1. Wenn dies der erste unberechtigte Antrag ist, ist der Antrag gemäß der Regel 15.11.2 zurück zuweisen, ansonsten als Spielverzögerung gemäß Regel 15.11.3 zu ahnden. Der Spielzug bleibt "angepfiffen". Aufschlag binnen acht (8) Sekunden durch Team A, Regel 12.4.4.


Handzeichen25Variante 2: Dto. aber der 2. Schiedsrichter pfeift als der spielbereite Wechselspieler die Wechselzone betritt. Wie ist zu entscheiden?

Antwort - Variante 2: Der Antrag ist unberechtigt, weil der Spielzug "angepfiffen" wurde, Regel 15.11.1.1. Aber nun liegt durch den Pfiff eine Verzögerung im Sinne der Regel 16 vor, denn der 2. Schiedsrichter hat mit seinem Pfiff den Spielzug beendet, Regel 8.2. Dieser Antrag kann damit nicht mehr im Sinne der Regel 15.11.2 zurückgewiesen werden, Konsequenz: "Verwarnung wegen Verzögerung, Regel 16.2.2" oder "Bestrafung wegen Verzögerung, Regel 16.2.3".

Exkurs: Unberechtigte Anträge im Sinne der Regel 5.1.2.2

Ein besonderes Problem sind die Anträge des Spielkapitäns im Sinne der Regel 5.1.2.2:

Nur dem Spielkapitän ist es gestattet, mit den Schiedsrichtern zu sprechen, wenn sich der Ball nicht im Spiel befindet:
um zu beantragen:

  1. die Spielerkleidung ganz oder teilweise wechseln zu dürfen,
  2. die Aufstellung der Mannschaften zu überprüfen,
  3. den Boden, das Netz, den Ball usw. zu überprüfen;

Dem Spielkapitän ist es im Sinne der Regel 5.1.2 gestattet, mit den Schiedsrichtern zu sprechen, wenn sich den Ball nicht im Spiel befindet. Im Spiel befindet sich der Ball von dem Zeitpunkt an, in dem der vom Schiedsrichter genehmigte Aufschlag ausgeführt ist (Regel 8.1). "Aus dem Spiel" ist der Ball in dem Moment, in dem ein von einem Schiedsrichter gepfiffener Fehler begangen wird. Oder, falls kein Fehler vorliegt, der Zeitpunkt des Pfiffs.

Dies ist interessant: Die Regeln 15.11 und 5.1 setzen rein dem Wortlaut nach zu unterschiedlichen Zeitpunkten an. Reguläre Spielunterbrechungen (Auszeit und Wechsel) im Sinne der Regel 15 können nur bis zum Pfiff des 1. Schiedsrichters zur Bewilligung des Aufschlags beantragt werden (s.o). Anträge im Sinne der Regel 5.1.2 sind noch bis zur Ausführung des Aufschlags, also bis zum Schlagen des Balles, zu genehmigen.

Teilweise ist dies nachzuvollziehen, betreffen die Anträge im Sinne der Regel 5.1.2 eher keine taktischen Belange. Allerdings stellt diese Regelung zugleich auch ein Problem dar, wenn die annehmende Mannschaft mit der "taktischen Anwendung" dieser Regel den Aufschlagspieler beeinträchtigt, indem sie kurz vor der Ausführung des Aufschlags nach der Aufstellung (einer der Mannschaften) fragt...

Nicht geregelt ist der Fall, indem ein im Sinne der Regel 15.11.1.2 nicht berechtigtes Mannschaftsmitglied einen Antrag im Sinne der Regel 5.1.2 stellt. Zur einheitlichen Regelanwendung sollten auch hier die Grundsätze der Regel 15.11 analog angewendet werden: Wenn daher der Antrag zu keiner Verzögerung führt, dann ist dieser ohne Konsequenzen zurück zu weisen, andernfalls liegt eine Verzögerung vor.


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